INTERVIEW MIT RALF ANGETTER,
Initiator des Marketing Zentrum Hochrhein


Herr Angetter, was hat Sie dazu bewogen, das Marketing Zentrum Hochrhein ins Leben zu rufen?

Einen großen Teil meiner inzwischen fast 25jährigen Berufslaufbahn habe ich in verschiedenen Werbeagenturen gearbeitet. Hier fiel mir immer wieder auf, dass die meisten Agenturen sehr eingleisig aufgestellt sind. Es wird das, was der Kunde möchte, ungefragt umgesetzt. Hauptsache, es gefällt diesem. Kunden, die erkannt haben, dass ein konzeptioneller Background notwendig ist, also strategische Beratung, müssen zwangsläufig zu großen Agenturen. Nur dort gibt es entsprechendes, disziplinübergreifendes Know how. Das Marketing Zentrum Hochrhein wurde initiiert, um genau dies auch Unternehmen bieten zu können, die sich eine Großagentur nicht leisten können – oder wollen.

Das heißt, diese Großagenturen sind zwangsläufig teurer?

Genauso ist das. Das liegt in der Natur der Sache, denn dort muss ein komplettes Team aus mehreren Bereichen ständig vorgehalten werden und somit bezahlt der Kunde stets den vollen Leistungsumfang, auch wenn er diesen gar nicht benötigt.

Andere Agenturen arbeiten mit freien Mitarbeitern. Ist das eine Lösung?

Das ist bestenfalls eine Überbrückung. Wobei ich selbst auch diese ablehne. Wir liefern nämlich keine Notlösungen, sondern Funktionierendes. Sie können mit freien Mitarbeitern kein Team formen. Effektiv arbeitet aber nur ein Team. Ich kenne Agenturen, die holen sich zuerst Jobs und sehen dann, wie sie das – z.B. mit freien Mitarbeitern – geregelt bekommen. Das Ergebnis ist dann ein erstklassiger Blender, der schnell versagt.

Dann bliebe noch die Auftragsvergabe an Verschiedene.

Prinzipiell haben Sie dadurch eine sehr effektive Lösung. Ein Großteil dieser Effektivität wird aber dadurch eingebüßt, dass es ständig Abstimmungslücken gibt. Es kann nicht der Job des Auftraggebers sein, die einzelnen „Gewerke” zu koordinieren. Im Marketing Zentrum Hochrhein verfolgen wir deshalb das Prinzip „One Face To The Customer”. Es gibt einen Ansprechpartner, der auch alle Aktivitäten verknüpft. Aufgrund der räumlichen Nähe sind kurze Wege möglich, was Schnelligkeit und Fehlerminimierung bedeutet.

Wie stellt sich der Ablauf für den Auftraggeber dar?

Nicht anders, als er es von einer normalen Werbeagentur gewohnt ist. Er hat einen Ansprechpartner, er bekommt eine Abrechnung. Die Trennung erfolgt „hinter der Bühne”.

Für welche Art von Kunden arbeiten Sie?

Zunächst versuchen wir, ein möglichst breites Spektrum abzudecken und uns nicht auf eine Branche zu spezialisieren. Dies ist kontraproduktiv, da wir ja so gesehen nicht für unseren Kunden arbeiten, sondern vielmehr für dessen Kunden. Im B–to–C-Bereich bedeutet das, unser Arbeit muss von Nicht-Fachleuten ohne Spezialkenntnisse verstanden werden. Die sogenannte „Betriebsblindheit”, die jede Spezialisierung mit sich bringt, wäre hier also mehr als hinderlich. Weiterhin legen wir Wert auf einen gesunden Mix zwischen Großen und Kleinen. Speziell bei kleinen mittelständischen Unternehmen muss immer am Limit gearbeitet werden. Da lässt sich nichts kaschieren. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto in eine extrem engen Gasse, in der auch noch andere Autos parken. Wenn Sie das beherrschen, fahren Sie auch auf einer breiten Chaussee souverän. Aber egal, wo, wie und mit was Sie fahren, die Fahrt muss immer zum gewünschten Ziel führen.

Wie sieht dieses Ziel denn aus?

So, wie es zusammen mit dem Kunden definiert wurde. Es gibt verschiede Ziele, die zu erreichen es lohnt. Markenfestigung, Bekanntheitssteigerung, Imagewechsel etc. Natürlich werden alle diese „Ziele” darauf hinauslaufen, den Unternehmenserfolg zu stabilisieren, bzw. auszubauen. Genau hier setzen wir bei der gemeinsamen Zieldefinition an. Die Kontrolle ist dann relativ einfach: entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Abschließend noch die Frage nach Ihren Referenzen. Wie halten Sie es damit?

Referenzen sind für mich weder große Namen noch Preise und Auszeichnungen. Beides kann ich notfalls auch „künstlich” generieren. Schauen Sie mal auf Websites von Werbeagenturen, wieviele davon große Konzerne auf ihrer Referenzliste stehen haben. Nur, weil sie mal eine Visitenkarte gemacht haben … Auch nehmen wir nicht an teuren Wettbewerben teil, um Pokale und Urkunden zu erlangen. Hier in der Region gibt es einige wirklich sehr gute Kreativagenturen, die machen absolut erstklassige Arbeit. Für diese ist so etwas durchaus sinnvoll.
Unser Ansatz ist aber ein anderer; wir arbeiten für den monetären Erfolg unserer Kunden – Sie erinnern sich: „form follows function”. Deshalb ist für mich eine Referenz der zufriedene Kunde selbst. Wenn Sie ein Haus bauen, interessieren Sie sich ja auch nicht, mit welcher Säge die Balken geschnitten wurden. Entscheidend ist, dass das Haus steht und Sie als Bauherr zufrieden sind, weil alles perfekt ausgeführt wurde und Sie nicht mehr bezahlt haben, als kalkuliert.